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Wertvolle Tzscherpermesser aus Eichenholzabfall vom Museum

Oberharzer Bergwerksmuseum bietet ganz neu ein Andenken der besonderen Art.

© Welterbe im Harz.

Auf der Baustelle für das neue Welterbe-Infozentrum im Oberharzer Bergwerksmuseum wurden im letzten Herbst die Grundbalken im Fundament ausgebessert. Dafür mussten die Zimmerleute alle Fachwerkwände so abstützen, dass der unterste Balken aus Eichenholz, die sog. Schwelle, fachgerecht repariert und erneuert werden konnte.

 

Die Reste vom Originalholz, die bei der Restaurierung abfielen, waren überwiegend stark verrottet und für eine Weiternutzung nicht zu retten. Nur an wenigen Stellen war die historische Eiche noch erhalten. Im Novemberregen durchsuchte der Hobby-Messermacher Bernhard Kraft aus Clausthal-Zellerfeld die Zimmereiabfälle vor der Treppe zur ehemaligen Museumsgaststätte und fand noch brauchbare Stücke. Kraft ließ das Material trocknen und sägte Rohlinge für die Griffteile der bekannten Oberharzer Bergmannsmesser heraus. Beim Zuschnitt fielen einige Sägeblätter den noch im Holz versteckten Nägeln zum Opfer. Rund 40 kleine Klötzchen waren noch zu retten und können nun zu wertvollen Oberharzer Tzscherper-Messern weiterverarbeitet werden.

 

Der eigentlich für die Weihnachtsschicht im Museum am ersten Advent angedachte Verkauf der ersten Messer kam nicht zu Stande, bekanntlich wurde die Veranstaltung abgesagt. Fünf Messer sind bereits als Prototypen hergestellt und fertig zum Verkauf. Weil sie aus den Grundbalken des Museumhauses Bornhardtstraße Nr. 14 stammen, wird die Messerklinge mit dem Museumslogo, dem Schlägel und Eisen Symbol mit Froschlampe, exklusiv verziert.

 

Mitte Dezember bestätigte die historische Bauforschung sogar das genaue Alter der Balken in diesem Teil des Hauses. Laut Dendrochronologie, einer Methode zur Altersbestimmung von Holz anhand der Jahrringverteilung, wurden die Eichen für das Bauholz teils bereits im Winter 1697/1698, teils im Sommer 1736 gefällt. Für die Baugeschichte bedeutet dies, dass beim Neubau nach dem Zellerfelder Stadtbrand von 1737 ein Teil der Balken aus älterem Fachwerk wieder verwendet und ein Teil neu beschafft wurde. Die Messergriffe sind also rund 300 Jahre alt.

 

Ein Oberharzer Tzscherper von Bernhard Kraft liegt zur Ansicht an der Museumskasse aus. Bestellungen für weitere Anfertigungen werden ab sofort entgegengenommen. Weil aus dem nur sehr begrenzt verwertbaren Relikten der Grundbalken lediglich rund 40 Eichenholzrohlinge zu gewinnen waren, ist die Stückzahl begrenzt. Sonderwünsche mit anderer Gravur oder besonders hochwertiger Lederscheide sind möglich – gerne vermittelt das Museum auf Anfrage.

 

Für Rückfragen und Reservierungen steht der Besucherservice des Oberharzer Bergwerksmuseums vor Ort, per E-Mail unter info@bergwerksmuseum.de oder per Telefon 05323 - 98 95 0 zur Verfügung.