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200. Geburtstag Berghauptmann Ottiliae

Namensgeber des Ottiliae-Schachtes hat heute seinen 200. Geburtstag.

Ernst Hermann Ottiliae; Adolf Achenbach; Hermann v.d. Heyden-Rynsch; Hermann Brassert; Karl Friedrich Eilert. Copyright: Archiv Welterbe im Harz

Berghauptmann Ernst Hermann Ottiliae. Copyright: Archiv Welterbe im Harz.

Am heutigen Tag gibt es ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern: Den 200. Geburtstag vom Namensgeber des eindrucksvollen Wahrzeichens des Oberharzes, dem Ottiliae-Schacht: Ernst Hermann Ottiliae.

Ottiliae wurde 1821 in Eisleben geboren. Sein Vater war Hüttenmeister und Direktor der Oberhütte der Mansfeldischen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft.

Ottiliae schloß im Jahr 1840 das Gymnasium in Eisleben erfolgreich mit dem Abitur ab und begann im selben Jahr seine bergmännische Tätigkeit zunächst als Bergwerks-Beflissener. Kurz danach begannen seine ersten Untertageschichten im Rahmen eines Probejahres in den Kupferschieferrevieren Eislebens. Im Anschluss besuchte er bis 1843 die Bergschule Eisleben.

Nach erfolgreichem Abschluss studierte er in Berlin und Halle. Während der Studienzeit absolvierte er Praktika im Kanndorfer Revier, in Ilsenburg und Dürrenberg. Im Mai 1847 bestand er die Bergrefendarsprüfung in Halle mit dem Thema: „Aufnahme eines Kupferschieferbergbaues in Alvensleben.“ Im gleichen Jahr schrieb er die Arbeit Kurze Darstellung der interessantesten Verbesserungen, welche in neuern Zeiten auf den gräflichen-wernigerödischen Eisenhüttenwerken zu Ilsenburg in Ausführung gekommen sind, nebst spezieller Berücksichtigung des dortigen Hohofenprozesses.

Im August 1848 wurde er als Bergreferendar beim Bergamt Halberstadt eingestellt. Bei diesem wurde er 1850 zum Obereinfahrer und ab 1. Januar 1853 zum Bergmeister befördert. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Assessorenprüfung in Berlin im Jahr 1854 wurde er zum Bergassessor befördert.

Seine Karriere setzte er ab 1860 als stellvertretender / kommissarischer Direktor des Bergamts Eisleben fort, wo er im Jahr 1861 zum Oberbergrat ernannt wurde und Mitglied im Technischen Rat des Oberbergamtes Halle wurde.

Im Jahr 1867 standen zwei berufliche Aufstiege an: Zunächst wurde Ottiliae für kurze Zeit Vorsitzender der Oberberg- und Salzwerksdirektion Kassel. Anschließend wurde er zum Berg- und Forstamt nach Clausthal berufen. Seine Hauptaufgabe bestand darin, unter Berghauptmann von Linsingen, die Neuorganisation der Bergverwaltung im ehemaligen Königreich Hannover, nunmehr Königreich Preußen, voranzutreiben. Ottiliae erhielt eine Dienstwohnung im Clausthaler Amtshaus, die er sich zunächst mit von Linsingen teilen musste.

Schließlich wurde er, nur ein Jahr später, zum Berghauptmann und Oberbergamtsdirekt beim neuerrichteten Oberbergamt Clausthal ernannt. Im Jahr 1878 wurde er, mit gleichem Rang und Titel, an das Oberbergamt Breslau versetzt.

Im Jahr 1890 stand ein besonderes Jubiläum an: Ottiliae feierte sein fünfzigjähriges Bergmannsjubiläum. Nur ein Jahr später, am 10. Juni 1891, wurde er, auf eigenen Wunsch, in den Ruhestand versetzt. Anlässlich seines Ausscheidens aus dem Staatsdienst wurde ihm der Titel eines Wirklichen Geheimen Oberbergrates verliehen.

Ottiliae starb dreiundachtzigjährig am 1. August 1904 in Breslau.

Für seine sehr gute Leistung anlässlich der Umstrukturierung der Bergwerksverwaltung nach preußischer Vorlage wurde zu seinen Ehren, der, in seiner Amtszeit errichtete und abgeteufte, Zentralförderschacht der Clausthaler Bergwerke, der Ottiliae-Schacht, nach ihm benannt.

Übrigens: Ernst Hermann Ottiliae war 1884 eines der Gründungsmitglieder des Zweigvereins Clausthal des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde. 1924 neu gegründet ist er heute besser bekannt als Oberharzer Geschichts- und Museumsverein.

In den letzten Jahren wurde die, nach Ottiliae benannte, Schachtanlage umfassend restauriert. Seit dem Seilwechsel im Jahr 2018 durch eine Spezialfirma laufen die Fördermaschine und die Seilscheiben oben im Turm wieder rund und werden bei Führungen in Betrieb vorgeführt. Der Turm von 1876 und die Schachthalle von 1905 wurden bereits 2016-2017 statisch ertüchtigt und wieder in ihre historische Farbigkeit der letzten Betriebsphase zurück versetzt. Bis zur endgültigen Verfüllung war der Schacht dem Erzbergwerk Grund und der PREUSSAG-Betriebsabteilung KRAWA (Kraft- und Wasserwirtschaft) zugeordnet. Wenige wissen: nach rund einem halben Jahrhundert Erzförderung (1878-1930) diente der Ottiliaeschacht noch fast vier Jahrzehnte als Wasserkraftwerk (1941-1980). Aus diesem Grund gehört das Denkmal-Ensemble heute zum UNESCO-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft.

2021 wird die Sanierung des Ottiliae-Schachtes durch die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld, als Eigentümerin, mit Unterstützung durch die Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz, die den Museumsbetrieb organisiert, fortgesetzt und zum Abschluss gebracht werden. Die Arbeiten finden im Inneren der Schachthalle, an den Turmfundamenten und im Maschinenhaus statt.

Für interessierte Besucher besteht derzeit, trotz Corona-Lockdown, die Möglichkeit, auf eigene Gefahr, das Gelände des Ottiliae-Schachtes zu besichtigen. Hierbei sollte das Smartphone nicht vergessen werden, da auf einem gekennzeichnetem Rundweg QR-Codes zum einscannen mit historischen Bildern und Texten zu entdecken sind.

 

gez. Wagener